• Kinder mit Goldhauben
  • Lebkuchen Beispielbild © Photo by Lydia Matzal on Unsplash
  • Feuerwerk zur Sonnenwende vor dem Stift Melk
  • Tanz beim Marillenkirtag in Spitz
  • Blumen © Anna Tukhfatullina Food PhotographerStylist on Unsplash

Brauchtum aus den Donauregionen

Lebendiges Brauchtum und traditionelle Feste im Jahresreigen

In den Orten und Regionen entlang der Donau in Niederösterreich wird das Thema Brauchtum hoch gehalten. Traditionelle Feste wie die Sonnwendfeiern in der Wachau und im Nibelungengau oder Erntedankfeste werden gemeinsam gefeiert, andere Bräuche wiederum finden sich in beinahe jedem Haushalt und gehen auf spannende Geschichten aus den vorigen Jahrhunderten zurück.

Hier finden Sie traditionelle Bräuche aus der Region und die Geschichten dahinter. Wer noch mehr über bestimmte Brauchtümer erfahren möchte, dem empfehlen wir die Website der Volkskultur NÖ.

Kinder mit Goldhauben

Wachauer Goldhauben


Die Wachauer Goldhauben werden seit der Biedermeierzeit von Wachauer Frauen zur Festtracht getragen. Die Goldhaube ist eine kostbare Handarbeit aus Brokat und Goldspitzen.

Kinder und unverheiratete Frauen tragen die Mädchenhaube. Diese ist kleiner,  wird von einer breiten Goldspitze umrahmt und am Hinterkopf befindet sich eine Masche aus hellem Seidenstoff mit kurzen Bändern. Die Frauenhaube unterscheidet sich durch den gewichtigeren Kopfteil in Form eines, weit über den Scheitel gezogenen Bodens. Am Hinterkopf ist eine schwarze Seidenmasche mit bis zur Taille reichenden Bändern befestigt.

In früheren Zeiten war die Wachauer Goldhaube ein Statussymbol der privilegierten, bürgerlichen Schicht. In der Schilling-Ära war die Goldhaube auf dem „Zehner“-Geldstück abgebildet.

Barbarazweig, Kirschblüte in einer Vase

Barbarazweige


Am Festtag der heiligen Barbara, dem 4. Dezember,  schneidet man traditionellerweise Zweige von Obstbäumen, bevorzugt von Kirschbäumen, und stellt sie in einer Vase mit Wasser auf ein Fensterbrett. Glückbringend sind dann die Knospen und Blüten, wenn sie um den Heiligen Abend auf den Barbarazweigen aufblühen.
Tipp: Falls es vor dem 4. Dezember noch keinen Frost hatte, dann sollte man die Zweige vor dem Einwässern über Nacht in das Gefrierfach legen, dann blühen sie auch wirklich auf.

Nikolausstiefel © von Myriams Fotos auf Pixabay

Der Hl. Nikolaus und das Schifferlsetzen in Spitz


Der 6. Dezember gilt als der Festtag des Hl. Nikolaus, der historischen Person des Bischofs von Myra. An diesem Tag wird in Spitz an der Donau seit einigen Jahren wieder der Brauch des „Schifferlsetzens“ begangen, Nikolaus ist nämlich auch der Patron der Schiffsleute. Denn der Überlieferung nach war eines der Wunder, das Nikolaus von Myra vollbrachte, die Rettung der Seeleute bei einem furchtbaren Sturm.
In der Spitzer Pfarrkirche findet an diesem Tag eine Vesper statt. Danach führt der Festzug angeführt vom Nikolaus und Nachtwächtern die Kinderschar zur Donau, wo die mit Licht erhellten, mitgebrachten „Schiffchen“, auf deren Segeln Wünsche aufgeschrieben sind, von der Freiwilligen Feuerwehr Spitz in die Donau gesetzt werden. Ein Lichterteppich verschwindet daraufhin langsam in der Nacht und trägt die Wünsche der Kinder fort.

Sonnenwende Wachau © Niederösterreich Werbung / Robert Herbst

Sonnenwende


Schon vor mehr als 400 Jahren wird die Sommersonnenwende in der Donauregion feierlich zelebriert. Der Brauch wurde besonders in der Wachau wie kaum anderswo gepflegt und erhalten. Heutzutage wird die Sonnenwende in der Wachau und im Nibelungengau mit dem Abbrennen mehrerer Sonnwendfeuer und dem Anzünden von Feuerwerken groß gefeiert. Dabei kann man die Feier bei einer Schifffahrt auf der Donau erleben.

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Erntedankfest Sitzenberg Reidling, Tullner Donauraum

Erntedank


Die traditionelle Wachau mit ihrer besonderen Tracht erlebt man besonders bei den Erntedankfesten: Musikkapellen führen den festlichen Umzug in die Kirche an, wo die mitgebrachten Erntegaben gesegnet werden.
Unser Tipp: Erntedank am 18. September in Weißenkirchen, 23. Oktober in Wösendorf.

Fasslrutschen, Klosterneuburg, Tullner Donauraum

Fasslrutschen in Klosterneuburg


Rund um den 15. November wird in Klosterneuburg das Leopoldifest gefeiert. Dabei wird Leopold III., Markgraf von Österreich und Gründer des Stifts Klosterneuburg, sowie Landesheiliger von Niederösterreich und Wien, geehrt.
Beim Fasslrutschen im Binderstadel des Stiftes Klosterneuburg rutscht man über das rund vier Meter hohe und 56.000 Liter fassende "1000-Eimer-Fass" aus dem Jahr 1704, das ursprünglich den Zehentwein für die geistliche Grundherrschaft zum Inhalt hatte. Dieser Brauch lässt sich bis ins Jahr 1814 zurückverfolgen. Er geht auf die Weinbauern zurück, die auf der einen Seite auf das Fass hinaufstiegen, oben ihren Most hineingossen und auf der anderen Seite wieder hinabrutschten.

Impressionen aus der niederösterreichischen Donauregion

Wussten Sie?

... dass das Abbrennen von Sonnwendfeuern in der Donauregion Niederösterreichs vor mehr als 400 Jahren erstmals urkundlich registriert wurde?
Der Brauch wurde in der Wachau wie kaum anderswo gepflegt und erhalten.

Vom Sonnenkult zum stimmungsvollen Fest
Über die Wurzeln der bis heute in vielen Ländern Europas verbreiteten Sonnwendfeiern gibt es wenig gesicherte Erkenntnisse und zahllose Theorien. Ob es sich – wie von den meisten Forschern angenommen – tatsächlich um die Reste eines archaischen Sonnenkults von Kelten, Slawen und Germanen handelt, ist weder zu beweisen noch zu widerlegen. 

Die ältesten durch Quellen nachgewiesenen Sonnwendfeiern in Niederösterreich fanden 1604 in Rosenburg am Kamp und 1609 in Klosterneuburg statt. Ab dem Ende des 17. Jahrhunderts sind sie in großer Zahl für fast das ganze Land belegt. Am ausgiebigsten gefeiert wurde in der Wachau und im Nibelungengau.

In der Zeit der Aufklärung für ungefähr ein Jahrhundert verboten, kamen die Feiern erst wieder in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf und entwickelten sich zu ausgelassenen Volksfesten. 

Um dieselbe Zeit gelangten die Sonnwendfeiern in der Wachau durch Reiseberichte von Schriftstellern und Journalisten erstmals zu beachtlicher internationaler Bekanntheit. Besonders beeindruckt hat die zeitgenössischen Besucher dabei offenbar vor allem der vieltausendfache Glanz der Lichter, die auf winzigen Booten die Donau hinabgeschickt wurden. Wie sehr sie dabei ins poetische Schwärmen gerieten, kann entweder in den Archiven nachgelesen oder demnächst direkt vor Ort nachempfunden werden. Schön authentisch und authentisch schön.
Infos zu den nächsten Sonnenwende-Terminen